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World Water Week, Stockholm

World Water Week, Stockholm

Wasser für die Armen Die Debatten während der World Water Week haben gezeigt, dass Konzepte weiterhelfen, die ökologische und soziale Aspekte vereinen. Doch vieles blieb während der Konferenz unverbindlich.

Ob-ed by Ann Kathrin Schneider, Frankfurter Rundschau August 25, 2006

"Mega-Konferenzen zu Wasserthemen sind eine Zeit-und Geldverschwendung." Mit diesen provokanten Worten eröffnete Asit Biswas, der diesjährige Gewinner des prestigeträchtigen Stockholmer Wasserpreises, am Montag in der schwedischen Hauptstadt die World Water Week, die am Samstag zu Ende geht.

Neben Biswas’ Worten forderte am ersten Konferenztag auch das Wetter die mehr als 1500 Teilnehmer der größten europäischen Wasserkonferenz heraus. Ein Gewitter überflutete die Stockholmer Innenstadt, löste ein Verkehrschaos aus und zwang die internationale Wasserszene, zum Empfang des Bürgermeisters knietief durchs Wasser zu waten.

In den darauf folgenden Tagen bemühten sich Wassermanager der UN und der Weltbank, afrikanische Ministerinnen, Professoren, europäische Prinzessinnen und Vertreter der großen Umweltorganisationen, Biswas’ These zu widerlegen. Die Diskussionen führten die Teilnehmer um die ganze Welt.

Kampf gegen Korruption

Am Beispiel des Tisza Flusses in der Ukraine wurde deutlich gemacht, wie Flutrisiken besser erkannt und Überschwemmungen besser gehandhabt werden können. Syed Adil Gilani von Transparency International in Pakistan berichtete über Schritte zur Korruptionsbekämpfung in der Wasserbranche seines Landes. Der australische Umweltexperte John Scanlon stellte am Beispiel des Murray-Darling-Flusssystems dar, welche Kosten bei der Zerstörung eines Ökosystems entstehen.

Regeln und Gesetze, Finanzierung und Institutionen, gesellschaftliche Beteiligung und grenzüberschreitende Verhandlungen wurden als Instrumente zur Organisation einer funktionierenden Wasserwirtschaft diskutiert. In Stockholm wurde deutlich, dass wir nicht mehr am Anfang der Wasserdebatte stehen.

Fast 30 Jahre nach der ersten großen UN-Wasserkonferenz im argentinischen Mar-del-Plata 1977 ist heute deutlich: Ansätze für einen verbesserten Umgang mit der kostbaren Ressource werden überall auf der Welt umgesetzt. Das Integrated Water Ressources Management (IWRM) ist dabei der zentrale Ansatz, der soziale und ökologische Aspekte vereint und einen Rahmen zur Lösung von Nutzungskonflikten darstellt.

Während einige Kongressteilnehmer die Umsetzung des IWRM-Ansatzes lobten, bemängelten andere dagegen die ungenügende Umsetzung von derartigen Managementansätzen.

Das Büro des UN-Programms zur Menschlichen Entwicklung gab in Stockholm zu Bedenken, dass es bei dem Management von grenzüberschreitenden Flusssystemen kaum Zusammenarbeit zwischen Regierungen gäbe, obwohl die Wasserkonflikte der Zukunft sich genau dort abspielen würden. Bei der Diskussion über die Finanzierung von Wasserdienstleistungen wurde in Stockholm deutlich, dass allein der Anstieg der offiziellen Entwicklungshilfe für den Wassersektor noch kein Grund zum Feiern ist.

Teilnehmer der Konferenz äußerten sich schwer besorgt darüber, dass die zusätzlichen Finanzströme allein für Großprojekte ausgegeben werden. Frischwasserquellen, die von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Armen sind, drohen dabei zerstört zu werden.

Kritik an Staudamm-Projekten

Göran Ek von der SSNC, der größten schwedischen Umweltorganisation, gab zu Bedenken, "dass die globalen Armutsbekämpfungsziele nicht erreicht werden können, wenn Entwicklungshilfe nur für Großprojekte wie Staudämmen ausgegeben wird. Armen kann am besten geholfen werden, wenn Frischwasserökosysteme erhalten werden." Nach fast einer Woche Wasserdebatten bleibt ein Gefühl der Unverbindlichkeit. Man hat sich zugehört und Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht. An konkreten Antworten auf die Frage des "What next?" mangelt es jedoch.

Vielleicht ist das auch gut so, denn die Lösungen für Wasserkonflikte sind ganz sicher auf lokaler Ebene und nicht in einer nordeuropäischen Hauptstadt zu finden.

Ann Kathrin Schneider ist Projektreferentin bei International Rivers Network (IRN)

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